Leseproben

Buch - Der Fall des Apfels - von William W. Waters - Prosa - Lyrik


Drei zufällig ausgewählte Abschnitte aus dem Essay

"Der Fall des Apfels"


Ich spiele Menschheit, Teil 2. Ich spiele den größten anzunehmenden Untergang der Welt (GAUW). Ich stehe im Regen. Es regnet. Im Regen stehend, ziehe ich an der Schnur: Fall. ...zunächst ein Fallen; und dann beobachte ich, wie alles auf dem Trottoir (des Bürgers Steig) zusammen kracht, zerbirst, auseinander fliegt; ich hüpfe vor Vergnügen und gröle ein Freudengeschrei; ich habe einen Heidenspaß, das muss wohl der Spaß der Ungläubigen sein. In der Gosse liegt ein Apfelbäumchen, an dem völlig unversehrt ein Apfel hängt, ich glaube, ich sehe nicht richtig. Der größte anzunehmende Untergang der Welt (GAUW) ist ein seltsames Spiel.

Ein eisiger Wind fegte über Almaty und weiter über die kasachische Steppe. Agamen, Schlangen und Skorpione sind vor dem kalten Hauch geflohen. Nur ein kleiner Junge, ich, im Regen stehend(*2). Großvater lauschte hier den Sternen, ...



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Leseprobe - Der Fall des Apfels - Schriftfont little whale

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Wir sind die Generation, die die Atombomben hergestellt hat. Wir haben nicht genügend darüber nachgedacht. Wir und unsere Kinder sind die Generationen, die Atombomben weiterhin bereithalten. Wir denken nicht genug darüber nach. Das ist der Fall, weil Atombomben nicht von sich aus reden; sie liegen ganz autistisch in ihren netten kleinen grünen Hügeln und schweigen. Kein solches Bömbchen sagt: "Hallo, ich würde gerne mal losfliegen und euch allen in den Arsch kneifen und ein bisschen kaputtmachen". Wenn man trotzdem in der Lage wäre, derartige Äußerungen wahrzunehmen, würde man sagen: "Kleines, du hast wohl einen Knall, bleib schön da, wo du bist und sei leise, mach lieber keine Pilze, auch wenn diese hübsch anzusehen sind". Ontologische Sekundärprävention. Womit wir uns wieder im Märchenland befinden. Das ist der Fall, weil nur das, was wir träumen, ist, was wir wahrhaftig sind und offensichtlich nur Märchen wirklich verstanden werden. (*11, *15)


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Rote Ampel

Ich bleibe an der roten Fußgängerampel stehen und warte. Es ist die Straßenecke, an der manchmal einige Aliens Bürger kontrollieren. Obwohl sie heute nicht da sind und, obwohl eine große Schar von Schülern wie selbstverständlich die Straße überquert, bleibe ich stehen und warte. Vorbildlich. Oder vermeintlich vorbildlich und eigentlich zu faul, eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Weit und breit ist kein Auto zu sehen. Manch einer der jungen Leute denkt vielleicht, welch vorauseilender Gehorsam. Manch einer denkt viel­leicht, der alte Trottel. Vielleicht denkt auch einer, er würde ebenso gerne nach Vorschrift handeln, aber es gehört sich nicht, aus der Masse auszubrechen, oder es könnte ein Alien aus dem Gebüsch hervorspringen und ihm eine Verwarnung erteilen. Wahrscheinlich denkt keiner etwas, wahrscheinlich sieht mich nicht mal einer. Immer noch kein Auto weit und breit. Ich beschließe, nun doch die Straße über zu queren, merke, dass die Ampel schon lange auf Grün steht und, als ich zwei Schritte auf dem Zebrastreifen zurückgelegt habe, springt die Ampel auf Rot. Ein sensibles Auto hupt wütend, eine große Schar von jungen Leuten wartet brav an der roten Ampel. Ich überquere gelassen weiter, wie selbstverständlich.



Roter Mond

roter Mond
geh weg
du bist mir nicht geheuer
nie würd' ich wagen
dich rot zu nennen.



Mond

Sonne

Dialog 02

Die Mond hat eine Sichel gemacht
und
sich auf den Rücken gelegt,
im tiefen Süden.
Ungewöhnlich!
Das würde dem Sonn
nie in den Sinn kommen.

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